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    Hochschuldidaktik ProfiLehre

    Videodreh

    IC-Pioniere wie Prof. Dr. Jürgen Handke (englische Sprachwissenschaft, Universität Marburg), Prof. Dr. Jörn Loviscach (Ingenieursmathematik, FH Bielefeld) und Prof. Dr. Christian Spannnagel (Mathematik, Pädagogische Hochschule Heidelberg) berichten regelmäßig über ihre Erfahrungen mit der Erstellung von Lehrvideos. Eines ihrer zentralen Themen ist dabei die Frage nach der Aufmachung der Aufnahmen. Vor allem Jörn Loviscach weist darauf hin, dass Perfektionismus unnötig ist und sogar lernhinderlich sein kann.

    Statt also Vorträge im eigenen Büro nachzustellen und viel Zeit für eine möglichst fehlerfreie Produktion zu investieren, empfiehlt Loviscach das Abfilmen einer echten Vorlesung durch Screencast-Software (Programme, die den Bildschirm/die SMART-Board-Oberfläche aufnehmen), ohne langwierige Nachbearbeitungen. Dies erhöht zum einen die Authentizität der Videos, da die Vorträge vor einem Publikum abgedreht werden, zum anderen ist die eigene Fehlertoleranz wesentlich höher als im Büro. Auch aus didaktischer Sicht lohnen sich aufwendige Produktionen nicht: Das "gefühlte Lernen" steigt zwar durch rhetorische Versiertheit und einer makellosen Präsentation, tatsächlich –mehr- gelernt wird dadurch aber nicht, wie Shana Carpenter et al. herausfinden konnten. Nachteilig wird der perfekte Vortrag dann, wenn Studierende den Irrglauben entwickeln, aufgrund von rhetorisch versierten Erklärungen die Inhalte verstanden zu haben, ohne aber in der Lage zu sein, das Wissen selbst wiederzugeben. Derek Muller konnte zudem herausfinden, dass professionelle Moderatoren dazu verleiten, die vermittelten Inhalte unreflektiert anzunehmen und sogar mögliches Halbwissen und Irrglauben der Zuschauer verstärken.

    Die IC-Pioniere sind sich allerdings darüber einig, dass es für eine erfolgreiche Durchführung des IC nicht genügt, lediglich Videos zur Verfügung zu stellen. Sie allein verleiten zu einer Lean-Backward-Haltung und Ablenkung der Studierenden durch andere Angebote des Internets– und damit zu einem rein passiven Konsum ohne aktive Wissensaneignung. Erfolgsentscheidend ist eine Lean-Forward-Haltung, die durch Unterbrechungen in Form von Zwischenfragen oder Lückenskripten erreicht werden kann. Wissenschaftlich begründet wird die Forderung durch Bjork et al., die zeigen konnten, dass „desirable difficulties“ – Störungen verschiedenster Art im Lernprozess – sich positiv auf das langzeitliche Lernen auswirken.

    Handke, Loviscach und Spannagel empfehlen je nach Komplexität des Themas eine Videolänge von zwei bis 15 Minuten; der Workload für die Studierenden sollte dabei vier bis fünf Videos pro Sitzung betragen.

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